Freiarbeit

Was kann es schöneres geben als die freie Entscheidung meines Pferdes für mich?

Doch dies kann es nur tun, wenn es tatsächlich frei ist – frei in seiner Entscheidung und nicht festgehalten durch Seile oder Zügel.

Das Pferd als Herdentier wird dort Anschluss suchen, wo es Ruhe, Sicherheit und Partnerschaft findet. Wenn ich als Mensch möchte, dass mein Pferd mir folgt, so muss ich es ihm ermöglichen, dass es in mir Dinge liest, die es an die Sicherheit und Geborgenheit in der Herde erinnern. Das Pferd beurteilt dabei weniger die Situation an sich, sondern die Gefühle, die in ihm durch diese Situation ausgelöst werden. Es geht also darum, dass das Pferd sich bei mir sicher, motiviert, stolz, schön . . . fühlt.

Wie schaffe ich es nun, dass das Pferd im Zusammensein mit mir Erfahrungen macht, die diese Gefühle auslösen? Eines ist sicher – vorgaukeln lässt sich das Pferd nichts. Ich muss diese Gefühle tatsächlich in mir tragen. Das sind zunächst einmal Sicherheit und – ich nenne es »absolutes Unaufgeregtsein«. Im wesentlichen bedeutet dies das Freisein von jeglicher Aggression und Nervosität.

Auf dieser Basis kann mein Pferd lernen, Probleme zusammen mit seinem Menschen zu lösen. Auch wenn das Problem durch eine von mir gestellte Aufgabe ausgelöst wurde, die Lösung – d. h. die Beseitigung des Problems und damit die Wiederherstellung der inneren Ruhe – wird bei mir gefunden.

So lernt das Pferd, bei mir und mit mir arbeiten zu wollen, denn hier und nur hier findet es die Sicherheit und die Entspannung, die wir alle bei Vertrauten suchen.
Meine Aufgabe ist es dabei, die Anforderungen (= Probleme) in lösbare Einzelteile zu zerlegen, um Erfolgserlebnisse bei der Problemlösung (= Lernerfolg) zu ermöglichen. Ein überfordertes Pferd ist nicht mehr in der Lage, konstruktiv mitzuarbeiten, sondern sucht die Lösung in der Flucht.