Reiten als angewandte Physiotherapie fürs Pferd

„Die Dressur soll für das Pferd da sein und nicht das Pferd für die Dressur.“ (Bent Branderup)

Das Pferd soll durch gymnastische Übungen schön, stark und bis ins hohe Alter leistungsfähig bleiben. Ausgehend von dieser Denkweise liegt es nahe, nicht nur gesunde Pferde von dieser Art der Arbeit profitieren zu lassen, sondern gerade solche, die schon Schäden davongetragen haben, leider oftmals durch unzweckmäßiges Reiten.

Nur zu häufig begegnen uns Pferde mit hochgradig verspannter Muskulatur, besonders im Genick- und Schulterbereich, Muskelatrophien am Widerrist (Axthieb und Atrophie des Trapezmuskels) verspannte und atrophische Lendenmuskulatur, Verkürzung der Achillessehnen u.v.a.m., Pferde mit Taktunreinheiten, passartigen, gespannten Gängen, ungleichgewichtete Pferde . . . zusammengefasst sprechen wir von „Problempferden“.

Diese und viele andere Probleme haben ihre Ursache oft in einer Reitweise, die die Schubkraft des Pferdes zu Lasten der Tragkraft favorisiert. Eine Reitweise, in der das Pferd zwischen Gebiß und Schenkeln mehr oder weniger eingeklemmt wird um Spannung zu erzeugen, die fälschlicherweise als Schwung verkauft wird.

Schwung bezeichnet aber das Schwingen der Wirbelsäule bei losgelassener Muskulatur!!!

Aufschlussreich ist bei jedem Pferd die physiotherapeutische Diagnosestellung, die schon, bevor Probleme handfest werden, einen Hinweis auf Verspannungen geben kann. Diese können gezielt durch Massagen, passive Mobilisierung vom Boden oder auch aktiv durch Reiten in Stellung und Biegung gelöst werden. Muskelgruppen vor allem der Oberlinie können aufgebaut werden, die helfen, die Belastung, die sonst „ungebremst“ auf Knochen und Gelenke wirkt, abzufedern und zu tragen.

Die Zielsetzung für das physiotherapeutische Problempferd ist im Grunde dieselbe wie für andere Pferde auch. Die Oberlinie soll gedehnt werden, damit die Hinterbeine zum Schwerpunkt finden. Die Entwicklung der Tragkraft hat Vorrang vor der Entwicklung der Schubkraft. Die zum Tragen wichtigen Muskelpartien sollen an Kraft gewinnen, die Muskulatur wird gelockert, um den losgelassenen Muskel zu optimaler Durchblutung und Kraftentfaltung zu bringen. Daraus entwickelt sich ein schwungvoller Gang, die Muskeln fungieren als Stoßdämpfer für die Gelenke.

Außerdem beobachten wir, dass der physischen Losgelassenheit sehr bald die Psyche folgt. Die Pferde werden in erstaunlich kurzer Zeit wesentlich ruhiger und ausgeglichener, sie verlieren ihre Spannigkeit und Schreckhaftigkeit.

Ergänzt werden kann die Arbeit unter dem Sattel natürlich vom Boden aus (siehe Bodenarbeit) sowie durch passive Dehnung und Mobilisierung des Pferdes.


Dehnungsübungen
Dehnungsübungen
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