Vorbilder und Leitsätze

„Reiten ist erst dann eine wahre Freude, wenn du durch eine lange Schule der Geduld, der Energie und der Feinfuhligkeit gegangen bist, die dir dein Pferd erteilt“

Es gibt viele großartige Pferdeausbilder und Reiter, die uns sehr beeindruckt haben, und dazu zählen nicht nur die Prominenten unter ihnen.

Die Idee dieser Reitweise, das Pferd einhändig in Harmonie und Versammlung zu führen, geht zurück bis Xenophon (430–350 v. Chr.) und die grundlegenden Lehren und Gedanken der alten Meister haben bis heute ihre Gültigkeit.

Es ist aber nicht genug, eine Technik zu beherrschen. Jedes Pferd und jeder Mensch haben andere Fähigkeiten, jedes Pferd einen eigenen Takt, eine eigene Musik in sich. Harmonie  und Ausgeglichenheit, Rhythmus und Freude an der gemeinsamen Bewegung sind jeden Tag aufs neue zu suchen (und zu finden), und verschiedene Reiter betrachten dasselbe Pferd aus unterschiedlichen Perspektiven.

Wie gesagt, ich habe Respekt vor den alten und neuen Meistern der klassischen, akademischen Reitkunst und ihre grundlegende Lehre ist für mich bindend, aber am meisten lerne ich durch meine Pferde, denn sie können mir am besten erklären, was und wie ein Pferd ist.

Oft werde ich gefragt: „wie heißt denn nun dieser Reitstil, den ihr da praktiziert?“ – und eine befriedigende Antwort will mir nicht einfallen. Es gefällt mir gar nicht, einer Sache einen Stempel aufzudrücken und in eine Schublade zu packen.

Was ich möchte, ist nicht weniger, als möglichst alle Facetten des Wesens „Pferd“ kennenzulernen. Wenn ich mich für Musik begeistere, ist es doch auch eine Einschränkung, mich nur mit einer Stilrichtung zu beschäftigen. Es gibt nicht die perfekte Reitmethode, genauso wenig, wie den einzig wahren und perfekten Musikstil. So wie mir sowohl Klassik, wie auch Jazz, Pop, etc. die Schönheit und Vielfalt der Musik näher bringen, so können unterschiedliche Ausbildungs- und Reitmethoden immer neue Facetten des Pferdes erschließen. Letztlich ist es keine Frage der Begriffe – ob akademische oder barocke Reitkunst, klassisch barocke Ausbildung, oder klassische Schulreiterei, Doma Alta, Hohe Schule oder haute école, französische Schule, légèreté, anspruchsvolles Freizeitreiten, oder feines Dressurreiten, Freestyle, alternative Reitweise, natural horsemanship, oder freie Versammlung – die Liste lässt sich beliebig erweitern – sondern es ist die Frage, wie die Begriffe von Ausbildern und Reitern mit Leben gefüllt werden, ob dem Pferd ein System quasi übergestülpt werden soll, oder ob es hilft, das Pferd als das zu begreifen, was es ist.

Oder um bei dem Vergleich mit der Musik zu bleiben: ist diese Musik harmonisch, oder handelt es sich um Lärm?