Unsere Wildpferde – Koniks der Geltinger Birk

Die Art und Weise, wie die Pferde in der Geltinger Birk aufwachsen, ist etwas ganz besonderes.

Vor allem die jungen Hengste leiben bis sie ca drei Jahre alt sind im Herdenverband der Hauptherden. Das bedeutet, sie leben und lernen in einer Gruppe mit vielschichtigen sozialen Kontakten.

Pferde, die in menschlicher Obhut aufwachsen, machen diese prägenden Erfahrungen oft nur in sehr eingeschränkter Weise. Meist sind die Pferdegruppen relativ klein, und nach Geschlecht und/ oder Alter der Pferde aufgeteilt. Das ist aus Sicht der Züchter und Aufzüchter auch durchaus nachzuvollziehen. Junge Hengste werden i.d.R. ab einem Alter von ca 6 Monaten in Junghengstgruppen aufgezogen. Sie sind selten mit erwachsenen Tieren zusammen und müssen auf sich gestellt einen Herdenverband bilden, bevor ihr soziales Lernen wirklich reifen konnte. Ein Aspekt, dessen mögliche Auswirkung auf die Pferdepsyche meiner Meinung nach größere Beachtung und genauere wissenschaftliche Untersuchung erfordert.

Wie anders ist das Leben für einen jungen Hengst in der Geltinger Birk !

Da ist zum Beispiel die leitende Stute, der man unbedingt folgt, dort sind Fohlen, die unter dem Schutz ihrer Mütter stehen und denen man sich deshalb sehr vorsichtig und achtsam nähern muss.

Etwas robuster kann man mit seinesgleichen umgehen. Da wird getobt, gekämpft, miteinander gegrast oder geruht. Jedem Herdenmitglied hat man sich , abhängig von seinem Rang, auf unterschiedliche Weise zu nähern. Die Dazugehörigkeit zu einem großen, stabilen Herdenverband vermittelt ein Höchstmaß an Schutz, Sicherheit und Geborgenheit, den Heranwachsende so dringend brauchen.

Mit dem Deckhengst der Gruppe ist allerdings nicht zu spaßen. Ihm ist großer Respekt zu zollen und er allein darf die Stuten seiner Herde decken. Wenn so ein Junghengst anfängt, auch nur über die Möglichkeit nachzudenken, selbst decken zu wollen, sind seine Tage in der Großfamilie gezählt. Er wird bald vertrieben werden, und sich der Junghengstherde anschließen müssen, die längst nicht so strukturiert ist und wo es ständig Rangeleien gibt. Die Halbstarken „ Bagaluten“ überdauern dort, bis sie z B sich als erwachsene Hengste eine Stutenherde erobern, oder aber, weil so viele Stutenherden wie heranwachsende Hengste auf der Geltinger Birk gar nicht möglich sind, eine alternative Lebensform finden: als Wallach in menschlicher Obhut, der das Zusammensein mit seinem Menschen als positiv und bereichernd erlebt.

Pferde, die in solch vielschichtigen Verbänden aufgewachsen sind, sind sicher extrem „ klar im Kopf“. Man kann auch sagen, sie haben eine hohe soziale Intelligenz, oder: sie sind so authentisch, wie ein Pferd nur sein kann.

Mit solch einem Pferd zu arbeiten ist die reine Freude. Und eines ist gewiss:das Pferd hat aus seiner Sicht immer Recht !Entschuldigungen wie . das Pferd hat schlechte Erfahrungen gemacht, ist schlecht behandelt worden etc. und hat deswegen eine Verhaltensstörung, gibt es nicht. Wenn etwas nicht klappt, dann weil der Mensch den richtigen Weg zum Pferd noch nicht gefunden hat. Somit kommt mein Pferdeverstand bei der Ausbildung immer wieder auf den Prüfstand und entwickelt sich ständig weiter.

Auch der allgemeine Gesundheitsstatus dieser Pferde ist hervorragend. Die Koniks sind robust und trotzen Wind und Wetter. Das Durchstreifen des fast 800 ha großen Areals mit seinen unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten lehrt die Pferde sehr umsichtig zu sein und sie zeigen eine hohe Trittsicherheit.

Pferde, die ausschließlich die ebene Koppel, sowie eine Box kennen, findet man diese Eigenschaften nicht in diesem Maß.

Unser Anliegen ist es, die Menschen zu den Pferden zu bringen anstatt das Pferd für den Menschen gefügig zu machen. Bevor sie einen Konik erwerben, sollten Sie einige Tage investieren und das Pferd in SEINER Welt kennen lernen. Wenn man nur einige Stunden mit den Herden verbringt und ihre Lebensweise betrachtet, erfährt man z. T. mehr über sie, als aus vielen Büchern.

Wenn dann ein passendes Pferd gefunden ist, bin ich gern bereit, bei der Annäherung, dem „zähmen“ ,Freundschaft schließen und Einreiten zu helfen. Wichtig ist mir dabei, die Sicht aus der Perspektive des Pferdes nicht zu verlieren. Meine wesentliche Aufgabe wäre dabei etwa die eines Übersetzers, das Verhalten des Pferdes zu interpretieren und für seinen Menschen „lesbar“ zu machen, bis eine solide Basis für ein gutes Miteinander geschaffen ist.

Sicherlich kann auch ich das Verhalten eines Pferdes nicht immer hundertprozentig richtig deuten, ich bin nun mal kein Pferd. Aber ich habe viel Zeit und Energie in meinem Leben damit verbracht, diese Tiere verstehen zu wollen, und das scheint mir der wesentliche Schlüssel zu sein: Wenn Pferde unser Bemühen spüren, machen sie es uns leicht. Man darf nur nicht irgendwann glauben, alles über sie zu wissen. Man muss immer wieder versuchen, sie so zu sehen, wie sie sind, und nicht wie wir glauben wie sie sind.

Wenn die Nachfrage nach Koniks aus anderen Naturschutzgebieten zu gering sein sollte, können auch Tiere an Privatpersonen abgegeben werden.